"Ich beglückwünsche die Freunde und Förderer des Vereins „Aguablanca e.V.“ und danke für so viele Jahre der Hilfe. Dank eurer Unterstützung lächeln wir wieder inmitten einer Umgebung voller Freudlosigkeit.“
- Mariela Gutíerrez, Mutter von drei ehemaligen Schülern

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Rundbrief im Advent 2018

Vor 30 Jahren wurde das Projekt Aguablanca ins Leben gerufen. Trotzdem war es in diesem Jubiläumsjahr sehr ruhig um uns. Unsere Vorsitzende Jana Stupperich erzählt im Rundbrief, was uns das Jahr 2018 gebracht hat.

Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit!

Por eso estamos aquí
Conmigo puedes contar

 

Hamburg im Advent 2018

Liebe Freunde und Förderer des Vereins Aguablanca,

in den ersten Tagen meines Freiwilligendienstes in Kolumbien fand in unserer Schule ein Begrüßungskonzert statt. Kleine und große Kinder strömten aus den Klassenzimmern und auf den Schulhof, um dem Kinderchor zu lauschen. Nun liegt mein eigener Freiwilligendienst schon einige Jahre zurück. Doch die oben stehenden Liedzeilen trage ich noch heute mit mir: Deshalb sind wir hier – auf mich kannst du zählen. Es ist die Verbindlichkeit der Aussage, die mir so viel Gänsehaut bereitet.

In diesem Jahr – unserem Jubiläumsjahr – habe ich oft daran gedacht. Als Schwester Julia und Reyna Anfang des Jahres nach langer Zeit des Ankündigens endgültig die Schulleitung an die katholische Kirche und an die zwei neuen Schulleiterinnen Martha Gómez und Luz Londoño übergeben haben, war zunächst nicht klar, inwiefern eine weitere Zusammenarbeit in Zukunft  möglich ist. Hinzu kam, dass Schwester Julia mit Hinblick auf den bevorstehenden Wechsel in der Vergangenheit die Unterstützung aus Deutschland nur sparsam eingesetzt hat: Denn sie wollte, dass keine Anschaffung letztlich der anstehenden Umstrukturierung zum Opfer fällt. Von den monatlichen Spendengeldern in Höhe von 1500 Euro bezahlte sie daher die Lehrergehälter. Trotzdem hatte der Verein mehr Spendeneinkommen als -ausgaben, sodass sich das Vereinskonto langsam stetig füllte. Als Reaktion auf diese Situation haben wir seit Anfang des Jahres keine Gelder mehr nach Cali überwiesen und auch die diesjährigen Mitgliedsbeiträge nicht eingezogen. Weltwärts-Freiwillige haben wir in diesem Jahr ebenfalls nicht entsendet.

Schnell nach Übernahme der neuen Schulleitung wurde jedoch klar, dass eine weitere Zusammenarbeit und Unterstützung unserer Schule genauso gewünscht wie notwendig ist. Eine Diskussion um eine Auflösung des Vereins war von relativ kurzer Dauer. Bei der Jahreshauptversammlung im Juni stimmte eine deutliche Mehrheit für die Fortsetzung unserer Arbeit.

Mit Lukas Frank (stellvertretender Vorsitz), Klara Schelbert, Lisa Steinbrück (beide Beisitzerinnen) und mir besteht der im Sommer gewählte Vorstand nun größtenteils aus ehemaligen „Weltwärts“-Freiwilligen, die Kolumbien kennen, die Gegebenheiten vor Ort verstehen und wissen, wie sehr unsere Unterstützung dort noch immer gebraucht wird. Mit Dietmar Zibelius (Schriftführer) steht uns zudem ein Herborner mit langjähriger Vereinserfahrung zur Seite. Auch er kennt Cali von einem Besuch im Jahr 2013. Im Hinblick auf unser 30-jähriges Jubiläum könnte man sagen: Aguablanca e.V. ist erwachsen geworden – und wir mit ihm.

Mit Hochdruck hat unser verjüngter Vorstand in den letzten Monaten einen Vertrag mit unseren neuen Partnern in Cali ausgearbeitet, wie er in der internationalen Zusammenarbeit üblich ist. Unseren Vorschlag haben die zwei neuen Schulleiterinnen ergänzungslos übernommen. Dieses schriftliche Übereinkommen legt nicht nur unsere gemeinsamen Werte und Ziele fest, sondern regelt auch die bürokratischen und finanziellen Abläufe. Das gibt uns viel Kontrolle. So haben wir außerdem die Gewissheit, dass Spendengelder nach wie vor sinnvoll und vor allem nachhaltig eingesetzt werden. Eine vergleichbare Vereinbarung hat es bisher nicht gegeben. Ich bin überzeugt, dass mit dieser Grundlage sowie durch die positive Erfahrung der Zusammenarbeit daraus mit der Zeit eine ebenso von Vertrauen und gemeinsamem Träumen geprägte Partnerschaft entstehen wird, wie wir sie in den letzten drei Jahrzehnten mit Schwester Julia und Reyna erlebt haben.

Der Vertrag wurde Anfang November unterschrieben. Ab Januar 2019 werden wir also wieder wie gewohnt Geld an unsere Schule nach Aguablanca überweisen. Fördern werden wir vor allem Lehrkräfte und Ausstattung in den Fächern Musik und Informatik, da der kolumbianische Staat diese Bereiche nicht unterstützt.

Wir möchten dabei allerdings zunächst mit den Geldern arbeiten, die wir haben. Wir sind in der glücklichen Lage, momentan nicht auf Spenden angewiesen zu sein. Nicht jede Unterstützung lässt sich beziffern – ich spreche für die Schulkinder in Aguablanca, wenn ich sage, dass es uns allen in diesem Jahr das größte Geschenk ist, wenn Sie gemeinsam mit uns dieses neue Kapitel unserer Arbeit beginnen.

Auf die leckeren Waffeln müssen Sie in diesem Advent jedoch nicht verzichten. Der herrliche Waffelduft erfüllt auch in diesem Jahr die Herborner Innenstadt. Ein privates Team aus fleißigen Waffelbäckern hat sich zusammengetan, um die Therapie des an Krebs erkrankten Jonas Hagner aus Herborn finanziell zu unterstützen. Sie tun dies auf eigene Kosten; der Erlös kommt anschließend zweckgebunden dem Frankfurter Verein „Du musst kämpfen“ zugute. Auch der Erlös aus dem Weihnachtsmarktverkauf der 6. Klassen des Johanneum Gymnasiums ist für einen anderen Zweck bestimmt.

Gerne möchten wir bei der Gelegenheit mit Ihnen über unsere Arbeit und Pläne sprechen. Denn noch immer gilt: Ein Kind ohne Bildung geht uns alle an.

Deshalb sind wir hier – auf mich kannst du zählen.

Ihnen und all denen, die Ihnen wichtig sind, wünsche ich von Herzen eine mit Freude und Zuversicht erfüllte Adventszeit.

 

Ihre dankbare

Jana Stupperich